23.09.26 / 16.00 Uhr / Andi Goldberger & Gerda Pamler: Der Sprung ins Leben

Marianne Hengl, Andi Goldberger und Gerda Pamler
Marianne Hengl, Andi Goldberger und Gerda Pamler

Der Countdown läuft – und ich freue mich so unbeschreiblich auf unsere 60. Sendung „LICHTblicke & Wegweiser“ mit Andi Goldberger und Gerda Pamler.

Wenn Rückschläge zu Lebenserfahrung werden

Andi Goldberger zählt zu den erfolgreichsten Skispringern Österreichs. Millionen Menschen jubelten ihm zu, als er von Schanze zu Schanze flog, Sportgeschichte schrieb und als erster Mensch die 200-Meter-Marke überflog. Doch hinter all den großen Erfolgen lagen auch schwere Rückschläge, öffentlicher Druck und Momente, in denen er ganz neu lernen musste, was im Leben wirklich zählt.
1997 erlebte er einen tiefen Absturz: Nach dem Eingeständnis eines Kokainkonsums wurde aus dem gefeierten Sporthelden plötzlich ein Mensch, über den geurteilt wurde. Diese Krise hat ihn geprägt – vielleicht mehr als viele Siege. Andi sagt selbst: „30 Siege mehr hätten mir für das Leben nicht mehr gebracht als meine größten Niederlagen.“
Heute spricht er offen über die Höhen und Tiefen seines Lebens, über Familie, prägende Begegnungen und darüber, warum wahres Glück oft nicht auf dem Siegerpodest, sondern im Alltag zu finden ist. Besonders berührend ist seine Haltung: „Der größte Held wirst du, wenn du abstürzt und wieder auferstehst.“
Andi Goldberger ist damit weit mehr als eine Skisprunglegende. Seine Geschichte erzählt vom Fliegen, vom Fallen – und vom Mut, immer wieder neu Anlauf zu nehmen.

Gerda Pamlers Geschichte ist auch eine Geschichte vom Fallen – und vom immer wieder neuen Aufstehen.
1958 in der Oberpfalz geboren, zog sie als junge Frau nach München. Sport gehörte früh zu ihrem Leben. Doch am 2. Februar 1986 veränderte ein Skiunfall alles: Beim Training für einen Vorwärtssalto öffnete sich beim Absprung die Bindung – seit diesem Tag sitzt Gerda im Rollstuhl. Plötzlich waren Wohnung, Arbeit und ihr bisheriges Leben weg. Sie beschreibt diese Zeit selbst als eine „vollkommene Leere“.
Aber Gerda fand zurück – ausgerechnet über den Schnee. Schon rund ein Jahr nach dem Unfall lernte sie am Kaunertaler Gletscher Monoski fahren. Daraus wurde eine zweite große Sportkarriere: Sie startete bei Weltmeisterschaften und Paralympics, gewann unter anderem Paralympics-Gold im Slalom 1992 und im Riesenslalom 1994, dazu zahlreiche Silber- und Bronzemedaillen. Später wurde sie auch im Wasserski höchst erfolgreich und stellte im Slalom einen Weltrekord auf.
Und Gerda behielt ihre Erfahrungen nicht für sich: Sie wurde Skilehrerin, Trainerin und gab ihr Wissen an Kinder und Jugendliche mit Behinderungen weiter. Heute ist neben dem Sport vor allem die Kunst ein wichtiger Teil ihres Lebens. Besonders Gletscher und Eiswelten faszinieren sie – vielleicht, wie sie selbst sagt, weil sie durch den Schnee in den Rollstuhl gekommen ist und im Schnee auch wieder zurück ins Leben gefunden hat. Ihre Kunst erzählt von Kraft und Vergänglichkeit, Veränderung und Neubeginn.

Ein Satz von Gerda bringt ihre ganze Haltung wunderbar auf den Punkt: „Mich reizt am meisten, was gar nicht geht. Und manchmal wird es trotzdem Wirklichkeit, wenn man es einfach probiert.“

Ein Gespräch über das Fliegen, das Fallen und den Mut, immer wieder neu Anlauf zu nehmen – für das, was im Leben wirklich zählt.