Wenn Liebe keine Pause kennt

Marianne Hengl und Familie Buchauer

Vor ein paar Tagen durfte ich Elisabeth und Richard Buchauer und ihre Tochter Angelina in Mariastein besuchen. Diese Begegnung hat mich tief berührt – und sie begleitet mich noch immer.
Seit fast zwei Jahrzehnten ist das Leben dieser Familie geprägt von Pflege, Krankenhausaufenthalten, Sorgen und einer Ungewissheit, die sich wohl nur Menschen vorstellen können, die selbst Tag und Nacht für einen schwerbehinderten Angehörigen da sind.

Elisabeth hat in ihrem Leben schon früh erfahren müssen, wie schmerzhaft Abschied sein kann. Ihre erste Tochter Stefanie starb nur zwei Wochen nach der Geburt an einem schweren Herzfehler. Später verlor sie ihren Bruder bei einem Paragleitunfall.

Und dann kam Angelina.

2006 wurde sie geboren. Nach wenigen Wochen folgten Krankenhausaufenthalte und schließlich die Diagnose Epilepsie mit schweren neurologischen Schäden. Die Ärzte gaben Angelina damals eine Lebenserwartung von nur zwei Jahren.

Heute ist Angelina 19 Jahre alt.

19 Jahre voller Liebe. Voller Pflege. Voller Hoffen und Bangen. Aber auch voller kleiner Wunder.

Elisabeth und Richard haben ihr Leben nach den Bedürfnissen ihrer Tochter ausgerichtet. Angelina wird zu Hause professionell betreut, beschützt und vor allem unendlich geliebt. Die Familie hat ein barrierefreies Zuhause geschaffen, in dem Angelina jene Geborgenheit bekommt, die sie braucht.

Als ich bei ihnen saß, wurde mir wieder einmal bewusst, was Familien wie diese jeden einzelnen Tag leisten.

Nicht für einen Applaus.
Nicht für eine Auszeichnung.
Sondern aus Liebe.

Und genau deshalb ist unsere Arbeit bei RollOn Austria so wichtig.

Wir möchten diese Menschen sichtbar machen. Wir möchten ihre Geschichten erzählen, ihnen eine Stimme geben und ein lautes Sprachrohr sein, wenn sie Unterstützung brauchen. Denn hinter jeder Behinderung steht ein Mensch. Und oft steht hinter diesem Menschen eine ganze Familie, die Unglaubliches trägt.

Trotz aller Schwere hat mich bei Familie Buchauer eines besonders beeindruckt: Sie schauen nicht ständig auf das, was nicht möglich ist. Sie suchen nach dem, was geht. Nach kleinen Auszeiten, nach besonderen Erlebnissen, nach Momenten des Glücks. Ein Ausflug in die Berge. Eine Begegnung mit Alpakas. Ein gemeinsamer Weg zu einem Gipfelkreuz. Manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die einem Menschen die Kraft für den nächsten großen Schritt schenken.

Und wenn ich solche Familien kennenlernen darf, denke ich auch ganz besonders an unsere RollOn-Engel.

Seit nunmehr 37 Jahren gibt es Menschen, die RollOn Austria finanziell tragen und unsere Arbeit möglich machen. Menschen, die uns vertrauen und mit ihrer Unterstützung dafür sorgen, dass wir helfen, begleiten, aufzeigen und laut sein können. Meine Dankbarkeit dafür kennt keine Grenzen. Denn unsere RollOn-Engel unterstützen nicht einfach einen Verein. Sie helfen uns, Menschen wie Angelina und ihrer Familie eine Stimme zu geben. Sie helfen uns zu helfen.

Liebe Elisabeth, lieber Richard, liebe Angelina: Danke, dass ich ein kleines Stück eures Lebens kennenlernen durfte.

Ich bin mit einem tief berührten Herzen nach Hause gefahren – und mit der Gewissheit, warum wir bei RollOn Austria niemals müde werden dürfen, für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien einzustehen.

Denn wo Liebe keine Pause kennt, darf auch unsere Solidarität niemals eine Pause machen.

Von Herzen
Marianne Hengl
Obfrau von RollOn Austria